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Im Frühjahr 1995 wohnten wir noch im Hamburger Umland und planten, ins heimatliche Flensburg zurück zu ziehen. Zufällig lasen mein Mann Erik und ich in einer Hamburger Zeitung von dem Unternehmen „Waldkindergarten“ und waren beeindruckt. Über einen Umweg bekam Erik die Adresse des Flensburger Waldkindergartens heraus, der erste Kontakt zu Petra Jäger entstand und unser erstes Kind Luise (geb. 04/93) war angemeldet! Und so trat sie dann ihren ersten Kindergartentag im August `96 mit vielen Erwartungen an.
Luise war ein eher schüchternes, nachdenkliches kleines Mädchen, auf den ersten Weihnachtsbildern vom Wald spielt sie ein Schäfchen und sitzt etwas abseits vom Geschehen. Man hat ihr viel Zeit und Ruhe gelassen, sich zu entwickeln und das hat sie dann auch ausgiebig getan!
An ihrem ersten Schultag im September `99 ist sie nach kurzer Zeit entschlossen zur Lehrerin gegangen und hat gesagt:“Frau Lehrerin, wann fangen wir endlich mit dem Lernen an!“. Die Lehrerin hat diese Begebenheit gerne auf Elternabenden erzählt- sie fand es außergewöhnlich! Ein Kind, das mit soviel Freude an das Lernen herangeht! Kein Mensch hat Luise in der Kindergartenzeit gedrängt. Sie hat Zeit gehabt, Natur und Dinge zu entdecken und Spaß an waldeigenen Erkundungen zu haben.
Kurzum: Sie konnte sich nach ihren Fähigkeiten entwickeln. Heute ist sie mit 15 Jahren eine durchaus selbstbewusste junge Frau, die das Gymnasium mit guten Leistungen besucht.


Ab Herbst ´99 kam unser nächstes Kind Helene (September ´95 geboren) in den Waldkindergarten.
Helene – ein temperamentvolles Mädchen, das viel vom Wald erzählt hat und Dinge schnell auf den Punkt bringen konnte und es immer noch kann-. Helene wurde im September 2001 nach reiflicher Überlegung früh eingeschult und war gleich vorne an der Leistungsspitze. Heute besucht auch sie das Gymnasium.


Im Sommer 2001 war dann unsere dritte Tochter Amelie soweit, um in den Wald zu gehen. Mit Amelie hatten wir Sorgen: motorisch und kognitiv entwickelte sie sich gut, hatte aber ein großes sprachliches Problem (verbale Dyspraxie lautet die Diagnose). Amelie sprach mit über 3 Jahren noch kein Wort und verständigte sich mit Gestik und Mimik.
Neben einer gezielten und ausführlichen Sprachtherapie, war es unser Anliegen, ihr den Rücken zu stärken, bzw. alle möglichen Fähigkeiten zu entwickeln, um ihr Selbstbewusstsein zu erhalten und auszubauen. Dabei hat der Waldkindergarten ihr und uns sehr geholfen. Amelie ist mit Wonne auf alle Bäume geklettert, hat soziale Kontakte geknüpft wie alle anderen Kinder auch. Eine Integrationsgruppe war nicht nötig, Amelies Sprache kam und ihr Selbstbewusstsein blieb.
Bei ihrer Einschulung waren noch kleine sprachliche Restauffälligkeiten zu hören, die dann aber vollständig verschwanden. Amelie ist das sportlichste unserer Kinder, Turnwettbewerbe, Goldabzeichen im Schwimmen, etc.
Ihr Lieblingsfach ist HSU (Heimat- und Sachunterricht). Amelie wird auch ab Herbst das Gymnasium besuchen.

Nach ihr fing unser Sohn Nikolaj im Kindergarten an. Nikolaj war etwas spät in vielen Fähigkeiten: motorisch unauffällig, fing er spät zu sprechen an und war ein sehr rastloses Kind, bei dem man ständig schauen musste, was es machte.
Lange war er wie verhaftet im automatisierten Spiel: immer wieder wurde z.B. der Staubsauger ausgepackt und gesaugt und Ähnliches. Mit vier Jahren wurde er erst trocken.
Wir versuchten, ihn durch eine regelmäßige Ergotherapie zu fördern, letztendlich aber war der Waldkindergarten die beste Therapie für ihn: die Ruhe und Stille des Waldes, das Annehmen seiner so eigenen Persönlichkeit, die Unterstützung und das Bestärken der Erzieher in unseren Sorgen und Anliegen haben ihm gut getan.
Nikolaj hat sich in Eigenarbeit zum Ende der Kindergartenzeit viele Fähigkeiten angeeignet. So konnte er noch vor der Einschulung zum Beispiel „die Uhr“. Wir waren baff erstaunt: ein Ruf von mir in die Küche „wie spät ist es?“ Keiner antwortet, nur Nikolai: „es ist Viertel vor Fünf!“.
Nikolai kommt im Sommer in die 2. Klasse und liegt in allen Fächern an der Spitze. Soweit zu unseren Schulkindern.


So unterschiedlich unsere Kinder auch sind, in einigen Punkten haben sie doch etwas gemeinsam: der Waldkindergarten hat sie „Kind“ sein lassen, sie durften matschen, Pfützen ausnutzen, Klettern, entdecken, toben und spielen. Kurzum: alles, was ein Kind braucht, um vorbereitet zu sein – kein gezieltes Erarbeiten von Fähigkeiten, sondern die Grundvoraussetzungen zum Lernen wurden gelegt: motorisch, kognitiv und sozial. Auch ein besonderes Merkmal unserer „Waldkinder“: Kleinigkeiten und Einzelheiten werden entdeckt und wahrgenommen- nicht nur auf dem Waldboden, sondern auch zum Beispiel in Büchern und Dingen. Die Wahrnehmungsfähigkeit im Allgemeinen wird enorm geschärft. Die Kinder „erleben“ im wahrsten Sinne des Wortes ihre Umgebung, was wiederum ihre Aufmerksamkeit auch im Hinblick auf das schulische Lernen fördert. Die Vorfreude und Freude am Lernen hat außerdem dazu geführt, dass alle 4 selbstständig arbeiten und allein Hausaufgaben machen können, eine große Hilfe für uns als Eltern und letztendlich das Beste für Schüler, denn sie selber sollen später ja mal einen Abschluss machen.
Für jedes Waldkindergartenkind habe ich eine Erinnerungskiste mit „Waldschätzen“ angelegt, beim Ansehen dieser Gegenstände fallen viele Erinnerungen wieder ein. Noch immer wissen sie die Dinge der Natur zu schätzen; Steine, Rinden, Moose, Stöcker haben einen hohen Wert.


Im Sommer 2006 rückte unser Sohn Julius (geb. März/2003) im Kindergarten nach, ein in seiner Entwicklung unkomplizierter Junge. Ihm tut der Wald in seiner Kindlichkeit einfach gut, begeistert erzählt er von Abenteuern und Begebenheiten, viele Sätze beginnen mit: „Weißt du was,..“. Basteleien wie Weihnachtsgestecke, Kastanienketten oder Osternester genießt er auch wie alle anderen. Bei der U.-Untersuchung für das 4.Lebensjahr kniete der Kinderarzt sich hin und sagte:“So, schieß mal den Ball zu mir!“ Und Julius schoss, worauf der Kinderarzt meinte:“ Da muss ich doch lieber aufstehen.... Das hat man selten: ein Kind, das so vieles auf einmal kann!“.
Kurz nach ihm rückte Michael (Sep./2004) nach, ein etwas zarteres Kind, sprachlich etwas später. Michi war als Kind oft krank, viele Infekte behinderten sein Allgemeinbefinden. Michi hat schon früh Polypenoperationen hinter sich gebracht und eigentlich war er ein Kandidat für die Mandeloperation. Nun besucht er seit Jan. 2008 den Waldkindergarten, es geht ihm zunehmend besser. Er hat keine Erkältungen mehr seitdem- die Mandeloperation ist ausgesetzt.
Im Sommer 2006 wurde unser 7. Kind Johanne geboren. Johanne hat einen der schwersten Herzfehler, ist aber ein geistig besonders waches und sehr zielstrebiges Kind. Wir freuen uns auf ihre Zeit im Waldkindergarten- der Kindergarten wird ihr gut tun!



























Waldkindergarten Flensburg e.V. - Marienstrasse 29-31 - D-24937 Flensburg - Tel.: 0461-9092647